Postfaktisch oder einfach nur verzerrt?

Deutschland auf dem Weg zum Bürgerkrieg! – Hoffentlich aber nur in einer Übung im Satellitenprogramm zum Forum Wissenschaftskommunikation. (Auszug aus meinem Blogbeitrag zum #fwk16)

Schon die Wissenswerte in Bremen in der vorigen Woche öffnete mit einer düsteren Referenz auf die postfaktische Weltsicht, die sich in Entscheidungen wie dem Brexit oder der kommenden Präsidentschaft von Trump manifestiert. Auch im Workshop „Deutschland 2030 – Roadmaps in die Zukunft“ vor Beginn der eigentlichen Tagung waren Trump und die „Post-Truth“ ein Motivationspunkt für eine gemeinsame Zukunftsarbeit. Unter der Workshopleitung von Beate Schulz-Montag und Karlheinz Steinmüller vom Projekt „Deutschland 2030“ erarbeiteten zwei Gruppen Zukunftsszenarien rund um das Themenfeld Integration und Flüchtlingskrise.

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In der Forumseröffnung von Markus Weißkopf dauerte es nur wenige Sekunden, bist das Wort vom „Postfaktischen“ fiel. Andreas Zick berichtete ausführlich über die Ursachen, die Einstellungen und Entscheidungen der Menschen fernab der Fakten prägen. Die Keynote am Dienstag Vormittag von Melanie Smallman: über Wissenschaftskommunikation im postfaktischen Europa. Und auch in viele andere Sessions bis hin zur Preisverleihung beim Fast-Forwards-Science-Videowettbewerb fand ein Bezug zur wenig faktenorientierten Entscheidung Platz. Das Tagungs-Buzzwort: postfaktisch.

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Andreas Zick rückte das Begriffliche zurecht: „Postfaktisch ist ein falscher Begriff, es geht um Verzerrung.“ Dekliniert man dies durch, dann wird es schnell metaphorisch-geophysikalisch: Durch die Verzerrungen entstehen Verwerfungen, die sich in Beben entladen können. In vielen kleinen oder wenigen verheerenden.

Ich bin überzeugt, dass wir an genau dieser Stelle ansetzen sollten und auch können. Ein „Zeitalter der Verzerrung“ klingt nicht so übermächtig, ja geradezu zeitlich begrenzt. Die Spannungen zwischen wissenschaftlicher Wahrheit und persönlicher Wahrnehmung müssen aufgebrochen und dadurch abgebaut werden. Und zwar in vielen kleinen Beben: Die Forschungseinrichtungen müssen sich trauen, deutlich und politisch Stellung zu beziehen. Aus einem „unsere Daten deuten auf eine Wahrscheinlichkeit eines menschengemachten Klimawandels von 99% hin“ muss auch mal „wer den Einfluss des Menschen negiert, der erzählt Unsinn“ werden – nicht nur in Krawalltalkshows.

Fakten widersprechende Behauptungen sind Unfug und müssen auch als solcher benannt werden, selbst wenn die inhaltlichen Gegner_innen darauf beleidigt reagieren. Das müssen wir aushalten und so denjenigen, die inhaltliche Orientierung suchen, einen festen Halt geben.

Lesen sie denn vollständigen Blogpost mit seinen Kommentaren auf der Website von Wissenschaft im Dialog.